TmesisAus GSV(Weitergelitten von Wie’s uns passt, wird trennbar gemacht)
Tmesis (von gr. tmêsis „Abtrennung“ zu temnô „schneiden“) nennt man das Phänomen, dass bisweilen Verben von den eigentlich vorne dran gehörigen Vorsilben getrennt benutzt werden, als wären Vorsilbe und Verb zwei Wörter. Häufig im homerischen Griechisch:
Im Neutschen gibt es vielerlei Formen der Tmesis:
VorsilbenBekannt ist ja, dass einige Verben im Deutschen trennbar sind, d.h. in den finiten Formen wandert die Vorsilbe an eine Position weiter hinten im Satz: „Ich bring dich um!“ (von umbringen) Bekannt ist weiterhin, dass wir manchen Verben nicht nur Stärke, sondern auch diesen Status der Trennbarkeit verleihen (und sie dann in der Liste mit P1 kennzeichnen): Vorher: „Ich antworte dir.“ Selbsternannte VorsilbenUnd was man nicht alles zur Vorsilbe erklären und somit abtrennen kann! „Inoffiziell“ wird in unserem Forum gelegentlich sogar bei Verben auf -ieren alles davor abgetronnen und zur Partikel oder gar zum Verbalsubstantiv erklärt. ieren, or, öre, georen wird so zum eigenständigen Universalverb: „Ich iere verl.“ (von verlieren) Arnymenos’ Patentschrift auf diese Idee findet sich im Forum. Verben mit zwei VorsilbenGewisse Verben wie z.B. bemitleiden haben eine abtrennungswürdige, betonte Vorsilbe (-mit-), jedoch klemmt noch eine abtrennungsunwürdige, unbetonte Vorsilbe (be-) davor und hindert die Tmesis (Abtrennung)! So kleben beide Vorsilben in allen Formen langweilig und schwerfällig vor dem Simplex: „Ich bemitleide dich, ich bemitleidete dich, ich habe dich bemitleidet, bemitleide mich...“ Abtrennung en blocDem wird abgeholfen, indem entweder beide Vorsilben en bloc abgetronnen werden – huckepack auf der betonten kann die unbetonte ruhig den Wortverbund verlassen – (P2)... „Ich leide dich bemit, ich litt dich bemit, ich habe dich bemitgelitten, leide mich bemit...“ Heraustrennung...oder die betonte Vorsilbe links und rechts herausgetronnen wird, während die unbetonte bei Mama Simplex bleibt (P3): „Ich beleide dich mit, ich belitt dich mit, ich habe dich mitbelitten, beleide mich mit...“ PseudikelnBei einer weiteren Variante wird die betonte Vorsilbe nicht so „sauber“ herausgetronnen, sondern reißt noch den/die folgenden ein bis zwei Konsonanten mit. Ich zeige es am Beispiel des Verbs beeinflussen: „Ich belusse dich einf, ich beloss dich einf, ich habe dich einfbelossen...“ Die herausgetronnene „Pseudo-Partikel“ einf bezeichnen wir mit dem Terminus Pseudikel. Hier die solcherart gestorkenen und getronnenen Verben:
Pseudikeln mit KonsonantenverschiebungMan beachte bei beantworten, beglückwünschen, bemitleiden, beschlagnahmen und beunruhigen, dass der „mitgenommene“ Konsonant aussprachehalber nach links, in die herausgetronnene Vorsilbe hinein, verschoben werden musste. Kommt dann auch noch Conjugatio duplex hinzu wie bei beunruhigen, dürfen Verbstärk-Neulinge legitimerweise erst mal urnbehoagen sein und Unbehagen verspüren ob der komplizierten Verwurstung. Aber sicher werden sie dann schon bald zu Fortgeschrittenen und somit ihre Freude daran haben. Periphere PseudikelnAuch ganz am Rande stehende Lautfolgen kann man zu Pseudikeln machen und statt heraus- einfach abtrennen:
BemerkungenDie Rede ist die ganze Zeit von Verben mit zwei Vorsilben. Streng genommen handelt es sich jedoch überwiegend um Substan- und Adjektive mit betonten Vorsilben, die dann mit einem be-, ver- o.Ä. und einem -igen oder -en vervorben wurden. Einerseits eine sehr amtsdeutsche Wortbildungsmethode („Der Antragsteller wird an Schalter 4 beauskunftet“), andererseits natürlich gut für den Verbenreichtum der Sprache. Möge unsere kreative Uminterpretur als „Verben mit zwei Vorsilben“ die Arrivur dieser Wörter im Verbaldasein befördern! Siehe auch
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